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Interview mit Jörn Petersen: „In erster Linie geht es um Sicherheit.“
Jörn Petersen, Leiter des Bereichs Human Factors bei Daimler
Herr Petersen, als Mensch-Maschine-Schnittstellen schieben sich elektronische Komponenten wie Touchscreens immer mehr in den Vordergrund. Werden klassische Bedienelemente im Fahrzeug wie das Lenkrad bald verschwinden?
Ich glaube nicht, jedenfalls nicht solange das Automobil vom Menschen gesteuert wird. Gerade die genannten mechanischen Schnittstellen haben eine Historie und sind den Fahrern sehr vertraut. Außerdem kommen das Drehen am Lenkrad oder der Tritt auf die Bremse intuitiven Bewegungs- mustern entgegen, die schnelle und richtige Reaktionen ermöglichen. Wir können allerdings die Technik dahinter immer weiter optimieren, indem wir etwa in die Systeme gewisse Korrekturmechanismen einbauen.
Sehen Sie die Gefahr, dass die Fülle der Informationen, die auf den Fahrer einströmt, ihn irgendwann überfordern könnte?
Diese Gefahr besteht grundsätzlich. Aber genau das ist unsere Aufgabe: diese Informationen zu sortieren, zu priorisieren und so zu gestalten, dass der Fahrer damit umgehen kann, ohne dass seine Aufmerksamkeit für das Verkehrsgeschehen darunter leidet. In erster Linie geht es immer um die Sicherheit.
Wenn Sie neue HMI konzipieren – wo liegen Ihre größten Herausforderungen?
Vor allem im Bereich der Human Factors. Wir müssen alles so gestalten, dass es ohne technische Vorbildung oder Spezialwissen verständlich ist. Dabei gilt es auch zu beachten, dass die Menschen in unseren globalen Zielmärkten teilweise sehr unterschiedliche kognitive Eigenheiten und Gewohnheiten haben.
In welche Richtung werden sich die HMI im Automobil entwickeln?
Ganz klar ist die Marschrichtung hin zu einer Kommunikation, die der Natur des Menschen entspricht. Unsere Sprachein- und Sprachausgabe wurde von unseren Telematikexperten zu so hoher Zuverlässigkeit entwickelt, dass dies eine ablenkungsfreie Bedienung zum Beispiel der Navigation oder des Telefons möglich macht. Diese Art der Bedienung halten wir längerfristig auch in anderen Zusammenhängen für möglich, insbesondere dann, wenn sich durch automatisierte Systeme neue Nutzungsszenarien eröffnen. Nach frei formuliertem Zielwunsch und Übernahme der Fahraufgabe durch das Fahrzeug stehen den Passagieren dann zahlreiche weitere sprachbediente Funktionen und Internetdienste zur Verfügung.
CURRICULUM VITAE
+++ Designstudium Fachrichtung Industrie an der FHG Pforzheim +++ Selbständiger Industriedesigner +++ Seit 1989 bei Daimler +++ Ab 2001 Leiter Interieurdesign bei Daimler, zuständig für HMI Interieur und Komponentendesign Pkw +++ Seit 2006 Leiter Human Factors im Bereich Forschung und Vorentwicklung bei Daimler, zuständig für HMI und Ergonomie aller Fahrzeugmarken +++