Interview mit Ross Brawn: „Die aerodynamische Leistungssteigerung ist absolut entscheidend.“

Ross Brawn, Teamchef, MERCEDES GP PETRONAS

Herr Brawn, Sie sind Teamchef von MERCEDES GP PETRONAS. Was sind Ihre Hauptziele bei der Entwicklung eines Rennwagens?

Zunächst gehen wir das Reglement genau durch, um uns einen Überblick über die Änderungen zu verschaffen und sicherzustellen, dass wir alle Vorgaben richtig verstanden haben. Dann legen wir durch unsere eigenen Zielvorgaben, unter anderem für Steifigkeit, Gewicht, Reifen und Fahrdynamik, die Eckdaten für den Designprozess fest. Die aerodynamische Leistungssteigerung ist absolut entscheidend. In Bezug auf Fahrzeugentwicklung und Reglement ist damit das Design des Fahrzeugs den größten Fluktuationen unterworfen. Daher müssen wir eine Plattform schaffen, um in der Aerodynamik das größte Potenzial zu erreichen. Einer unserer wichtigsten Grundsätze ist, dass wir in der Entwicklung nicht stehen bleiben, denn sonst fahren uns die anderen schnell davon.

Wie hat das Resource Restriction Agreement (RRA) sich auf Ihre Arbeit ausgewirkt und wie setzen Sie die verfügbaren Ressourcen ein, um innerhalb dieser Grenzen die höchste Effizienz zu erreichen?

Das RRA ist noch nicht ganz ausgereift. In der Formel 1 sollen alle Teams ab 2012 auf derselben Ebene operieren. Bei den größeren Teams gibt es momentan noch einige Abweichungen. Sie sind derzeit dabei, die für 2012 vereinbarte Anpassung nach unten vorzunehmen. Wir gehören nicht zu den größeren Teams und haben innerhalb des RRA noch etwas Luft. Das RRA hat durchaus Auswirkungen auf unsere Arbeit. Wir müssen sehr genau auf alle darin enthaltenen Positionen und auf das Budget achten, die Rolle dieser Positionen beurteilen und sicherstellen, dass alles gerechtfertigt ist. Wir sind sehr viel kritischer geworden, wenn es darum geht, die einzelnen Positionen des RRA zu bewerten und ihre Rolle zu hinterfragen.

Wo bietet Ihnen die Technologie von Mercedes-Benz einen entscheidenden Vorteil bei der Entwicklung von Formel-1-Fahrzeugen? Welche Rolle spielt Daimler bei der technischen Entwicklung?

Als neues Mitglied der Mercedes-Benz Familie lernen wir die Bereiche gerade erst kennen, in denen wir Unterstützung bekommen, eng zusammenarbeiten und Synergieeffekte zwischen den verschiedenen Technologiebereichen nutzen können. Dabei geht es nicht notwendigerweise um direkte Lösungen, denn unsere Rennwagen unterscheiden sich schon sehr stark von einem Straßenfahrzeug. Es geht vielmehr um die Methodik und den Ansatz von Mercedes. Unsere hochmoderne Simulatoren-Kabine ist zum Beispiel ein Bereich, in dem wir bei unserer Entwicklungsarbeit auf die umfassende Erfahrung von Mercedes bei der Simulation von Fahrdynamik und Fahrverhalten zurückgreifen können. Das Programm steckt noch in den Kinderschuhen, aber wir wollen die Synergieeffekte intensiv nutzen.

Was verbindet die Silberpfeile von heute mit denen von früher?

Sportsgeist, Charakter und Geschichte sind für jedes Team wichtig. Man muss ein Ziel haben – und etwas, worauf man stolz sein kann. In der Vergangenheit haben die Silberpfeile neue Standards gesetzt. Das fordert den sportlichen Ehrgeiz unseres Teams heraus, heute auch solche Erfolge zu erzielen. Diese Einstellung liegt in unseren Genen, und genau aus diesem Grund engagiert sich Mercedes-Benz im Motorsport und unterstützt unser Team. In der Tradition der Silberpfeile möchten wir diese Erfolgsgeschichte fortschreiben.

CURRICULUM VITAE

+++ geboren 1954 in Manchester, England +++ ab 1971 Ingenieur in Ausbildung, britische Atomenergiebehörde +++ 1976 Maschinenschlosser, Williams F1 +++ 1977 Mechaniker, March Engineering +++ 1978 Mechaniker, Williams Grand Prix +++ ab 1979 Entwicklungsmanager und leitender Aerodynamiker, Williams Grand Prix +++ ab 1984 Chefaerodynamiker, Force/Beatrice F1 +++ ab 1986 Chefkonstrukteur, Arrows F1 +++ ab 1989 Technischer Direktor TWR / Jaguar Racing +++ 1991 Konstrukteurs- und Fahrer-Weltmeister in der FIA Sportprototypen-Weltmeisterschaft mit Jaguar +++ ab 1991 Technischer Direktor, Benetton F1 +++ 1994 Fahrer-Weltmeister mit Benetton/Michael Schumacher +++ 1995 Konstrukteurs- und Fahrer-Weltmeister mit Benetton/Michael Schumacher +++ ab 1997 Technischer Direktor, Scuderia Ferrari +++ 1999 Konstrukteurs-Weltmeister mit Ferrari +++ 2000 bis 2004 jeweils Konstrukteurs- und Fahrer-Weltmeister mit Ferrari/Michael Schumacher +++ ab 2007 Teamchef, Honda Racing F1 Team +++ ab März 2009 Teamchef, Brawn Grand Prix Formel 1-Team +++ 2009 Konstrukteurs- und Fahrer-Weltmeister mit Brawn GP/Jenson Button +++ 2010 ausgezeichnet als Offizier des Ordens des British Empire +++ ab 2010 Teamchef, MERCEDES GP PETRONAS Formula One Team +++

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Ein Kommentar

  1. Erstellt am 6. November 2011 um 21:53 | Permanent-Link

    Ich glaube, diese Seite muss ich bookmarken :-) .

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